Was sind ´Tiergestützte Interventionen`?

"Lebensfreude lässt sich am besten vom Hund lernen!" (Nina Sandmann)

Tiergestützte Interventionen beinhalten Erkenntnisse aus den Bereichen Therapie, Pädagogik, Förderung und Aktivität. In einer tiergestützten Sitzung können diese ineinander greifen und sich gegenseitig ergänzen oder als einzelnes Angebot verstanden werden. Das Tier agiert dabei stets als ´Medium`, das dem Gegenüber auf vorurteilsfreier Ebene begegnet. Durch diesen positiven Kontakt zwischen Mensch und Tier ergeben sich Wirkeffekte, die auf der physiologischen, psychologischen, sozialen und kognitiven Ebene agieren. 

Tiergestützte Therapie (TG T)

Tiergestützte Pädagogik (TG P)

Tiergestützte Förderung (TG F)

Tiergestützte Aktivität (TG A)

Die Wirkeffekte von Mensch- Tier- Begegnungen

Physiologische Ebene 

Sowohl die reine Anwesenheit des Tieres als auch der direkte Hautkontakt mit diesem erzeugen beim Menschen eine Stabilisierung des Pulses und des Kreislaufes. Die Senkung des Blutdrucks wirkt sich wiederum entspannungsfördernd auf die einzelnen Muskelpartien aus. Biochemische Veränderungen, wie die Aktivierung und Abgabe von Botenstoffen (Oxytozin, Dopamin und Endorphine), tragen sowohl zur Linderung von Schmerzen als auch zur Beruhigung oder Euphorisierung bei. Auch der Blick auf das eigene Gesundheitsverhalten kann durch den direkten Kontakt mit Tieren erhöht werden. Daneben können Tiere auf den Körper des Menschen einwirken, wenn sie als Begleittier Schutz und Sicherheit bieten und dem Betroffenen helfen, potentielle körperliche Einschränkungen auszugleichen.

Psycholgische Ebene

Da Tiere das Gefühl von bedigungsloser Annahme und Akzeptanz vermitteln können sowie Zuwendung, Trost und Ermunterung schenken, fördern sie deutlich das emotionale Wohlbefinden des Menschen. Das Selbstbild, das Selbstwertgefühl und die Selbstsicherheit können nachhaltig positiv durch Tierkontakte beeinflusst werden. Die Kontrolle über sich selbst und die Umwelt werden darüber hinaus durch das Einhalten von Strukturen, wie etwa die Pflege, Versorgung und Führung des Tieres gestärkt. Eine unbelastete Interaktion mit einem Tier kann zudem Unsicherheiten und Ängste reduzieren sowie körperliche Nähe und Geborgenheit fördern. Das lässt Probleme in den Hintergrund rücken. Diese Umbewertung kann wiederum eine Steigerung von Freude und Lebendigkeit bedeuten. 

Soziale Ebene

Der Kontakt zu einem Tier ist häufig leichter herzustellen als zu einem Menschen. Denn Tiere können als soziale Katalysatoren agieren, indem sie die Schwelle zur Kontaktaufnahme herabsetzen und damit das Eis hin zur erweiterten Kommunikation im sozialen Raum brechen. So bietet das Tier nicht nur ein Gesprächsthema, sondern erleichtert auch die Begegnung mit dem Gegenüber. Einsamkeit und Isolation können so verringert werden. Darüber hinaus schult der Umgang mit Tieren sowohl die Sensibilität und Fürsorge als auch die Wertschätzung und das Einfühlungsvermögen des Menschen. Die Förderung von Aufmerksamkeit und Wahrnehmung lässt ihn auch das menschliche Handeln besser erkennen und deuten. Dieses kann ihn zu weiteren sozialen Aktivitäten anregen. 

Kognitive Ebene

Eine geistige Anregung und Aktivierung findet bereits durch das Lernen über das Tier und seine Haltung statt. Daneben kann die Anwesenheit eines Tieres zu einer entspannungsfördernden Atmosphäre beitragen, um die Motivation und Lernfreude zu steigern. Die resultierenden lernbegleitenden Emotionen unterstützen die exekutiven Funktionen im Gehirn. Diese bilden die Grundlage für das logische Denken und Lernen. Daraus ergibt sich eine gesteigerte Konzentrations- und Wahrnehmungsleistung, die eine präzisere Aufgabenausführung zur Folge hat. Insgesamt können Informationen effektiver im Gedächtnis gespeichert und abgerufen werden, wenn diese mit positiven Erfahrungen und aufkommenden Gefühlen aus dem Mensch- Tier- Kontakt verbunden werden.

Vernooij, M., Schneider, S. (2013): Handbuch der tiergestützten Intervention, Grundlagen, Konzepte, Praxisfelder. 3. Auflage, Wiebelsheim: Quelle & Meyer Verlag.

Quellen

Beetz, A., Heyer, M. (2014): Leseförderung mit Hund, Grundlagen und Praxis. 3. Auflage, München: Ernst Reinhard Verlag.

Otterstedt, C. (2001): Tiere als therapeutische Begleiter, Gesundheit und Lebensfreude durch Tiere-eine praktische Anleitung. Stuttgart: Franckh-Kosmos Verlag.